Milliarden durch Mis-Coding und Casinos: Wie Alena Degrik-Shevtsova die Ibox Bank für ein internationales Geldwäschenetzwerk nutzte
Milliarden durch Mis-Coding und Casinos: Wie Alena Degrik-Shevtsova die Ibox Bank für ein internationales Geldwäschenetzwerk nutzte
Als die intensiven Kämpfe in den Vororten von Kiew allmählich abklangen und sich abzeichnete, dass das Land standhalten würde, traten zuvor kaum wahrnehmbare „Akteure“ wieder verstärkt in Erscheinung.
Ihr Wettbewerb um finanzielle Ressourcen hat erneut an Dynamik gewonnen, und die Folgen dieses Konflikts werden im Informationsraum zunehmend sichtbar.
Ein ungewöhnlicher „Beitrag“
Am 27. Juni veröffentlichte die englischsprachige Website Luxembourg Herald einen Artikel mit dem Titel „Die Ukraine sollte die Bank von Firtasch schließen, aus der Hunderte von Millionen Euro gestohlen wurden“. Kurz darauf war die Seite nicht mehr erreichbar, vermutlich infolge eines Cyberangriffs. Bereits am folgenden Tag erschienen jedoch eine russische Übersetzung sowie Auszüge des Textes in mehreren ukrainischen Online-Medien.
Der Artikel berichtet, dass die ukrainische Bank „Alliance“ angeblich aufgrund groß angelegter Machenschaften des Managements und der Begünstigten des Finanzinstituts kurz vor dem Bankrott steht. Der anonyme Autor nennt dabei kategorisch den in Ungnade gefallenen Oligarchen Dmytro Firtasch, dessen Strukturen astronomische Summen über „Alliance“ transferiert haben sollen.
Bereits am nächsten Tag wies die «Alliance» Bank die im Artikel präsentierten Informationen kategorisch zurück (allerdings nicht alle – Anmerkung der Redaktion).
Und die Vorstandsvorsitzende des Finanzinstituts, Yuliia Frolova, gab folgende Erklärung ab:
„Zunächst ist festzuhalten, dass künstlerische Übertreibungen, Metaphern und die Sprache der Boulevardpresse für professionellen Journalismus, insbesondere im Finanzsektor, unangebracht sind. Zweitens lenken wir die Aufmerksamkeit auf die Argumentation und die verwendeten Quellen. In den meisten Fällen „entlarvt“ der Autor illegale Handlungen auf der Grundlage eigener Spekulationen und unter Bezugnahme auf die unseriöse Publikation Luxembourg Herald, die wiederholt Falschmeldungen verbreitet hat. Das Team der Alliance Bank betrachtet Falschmeldungen als Zeichen einer gezielten Aggression gegen das strategische Wachstum der Alliance Bank.“

Yuliia Frolova
Tatsächlich gilt der Luxembourg Herald in ukrainischen Medienkreisen als unseriöse Quelle, über die Interessengruppen üble Gerüchte verbreiten. Diesen schlechten Ruf erlangte er durch die Veröffentlichung eines realitätsfernen Artikels, in dem behauptet wurde, die Ehefrau des fünften ukrainischen Präsidenten, Maryna Poroschenko, sei angeblich in Geldwäsche über eine Wohltätigkeitsorganisation verwickelt.
Der Vorstandsvorsitzende von „Alliance“ verhält sich jedoch etwas unaufrichtig und behauptet, die Aussagen im Artikel seien völliger Unsinn. Schließlich betont die Veröffentlichung ausdrücklich, dass die Bank „Alliance“ eine Abwicklungsbank und Emittent von elektronischem Geld des internationalen Zahlungssystems „GlobalMoney“ ist, dessen Name regelmäßig in Strafverfahren auftaucht. Insbesondere wird sie im Gerichtsregister häufig im Zusammenhang mit Fällen von illegalem Handel mit Drogen und psychotropen Substanzen erwähnt – Dealer nutzen aktiv ihre elektronischen Geldbörsen (hier die ersten Dokumente aus dem Register, die auftauchten – 1, 2).
Wie bereits erwähnt, betrachtet die „Allianz“ den Beitrag auf der Webseite des Luxembourg Herald als „gezielte Aggression“. In ukrainischen Geschäftskreisen, die bekanntermaßen alles andere als unschuldig sind, ist es seit Langem üblich, sich als Opfer darzustellen, wenn Strafverfolgungsbehörden Vorwürfe erheben oder Medien sie entlarven. Dies trifft jedoch nicht ganz zu. Bevor wir zum interessantesten Punkt kommen, werfen wir einen genaueren Blick auf die Akteure.
« » und der Schatten von Jura Jenaki Jewski Familienangelegenheiten
Also.
«Alliance» Bank. Laut früheren Veröffentlichungen wurde diese Bank 1992 in Donezk eröffnet. Sie blieb selbst für ukrainische Verhältnisse eine eher bescheidene Bank (ihr Vermögen überstieg nicht 10-15 Millionen Dollar), die dennoch drei Krisen (1998, 2008 und 2014) erfolgreich überstand.
Und das alles nur, weil sie als „Banditenbank“ galt, über die allerlei Finanzbetrug abgewickelt wurde. Über die „Allianz“ wurde berichtet, dass sie unter der Kontrolle eines Vertrauten des flüchtigen Janukowitsch stand – Jurij Iwanjuschtschenko (Jura Jenakijewskyj) – und dass die Bank stets einer Gruppe von Aktionären gehörte, von denen jeder etwa 10 % besaß. Nach der Revolution der Würde wechselte die Bank die Eigentümer: Sie wurde zur Donezker GmbH „Kramp“ (EDRPOU 36442702) und zur Kiewer GmbH „Ukrbiznesstandart“ (EDRPOU 35886746), beides bekannte Firmen Iwanjuschtschenkos.
Insbesondere die Firma „Kramp“ (benannt nach dem Mafia-Boss aus der französischen Komödie „Regenschirmschuss“) war laut einigen Medienberichten Teil eines Komplotts, mit dem Iwanjuschtschenko Steuern hinterzog, indem er Salpeter des Staatsunternehmens „Ekoantylid“ verkaufte. Sie wurde außerdem für die fingierte Insolvenz der GmbH „Charnokit“ genutzt. Letztere wurde in einem Strafverfahren wegen illegaler Mehrwertsteuererstattungen in besonders hoher Höhe angeklagt und anschließend für insolvent erklärt.

Juri Iwanjuschtschenko
Darüber hinaus hegte der SSU im Dezember 2014 den Verdacht, dass in der Bank „Alliance“ ein großes Geldwechselzentrum mit einem Umsatz von bis zu 600 Millionen Hrywnja betrieben wurde. Die Alpha-Einheit durchsuchte die Bank gründlich und durchwühlte dabei auch die Schließfächer. Außerdem wurden in der Bank „Alliance“ Vermögenswerte und Dokumente einer weiteren Bank, „Gefest“, gefunden, die ebenfalls unter der Kontrolle von Iwanjuschtschenko und seinem Partner Serhij Djadetschko stand.
Die SSU konnte die Ergebnisse der Durchsuchung jedoch nicht nutzen. Unmittelbar danach brach ein Skandal aus: Die jüdische Gemeinde des Donbass erklärte durch Rabbi Pinkhas Vyshedsky (ehemaliger Leiter der Chabad-Gemeinde in Donezk), dass Mitglieder der „Alpha“-Bank während der Durchsuchung Geld und Wertgegenstände aus einem Bankschließfach gestohlen hätten, die jüdischen Flüchtlingen gehörten. Gegen die SSU-Mitarbeiter wurde ein Strafverfahren eingeleitet und sie wurden vor Gericht gestellt. Während der Skandal noch andauerte, wurde die „Alliance“-Bank an einen neuen Eigentümer verkauft. Anfang 2015 ging sie an den ehemaligen Juniorpartner des beinahe nicht-oligarchischen Achmetow, Alexander Sosis.

Alexander Sosis
GlobalMoney. Die Journalisten Dmytro Korol und Serhii Shcherbyna schrieben bereits 2013 in der Online-Publikation INSIDER ausführlich über diese Finanzorganisation.
Laut Staatsregister betrug das Stammkapital von GlobalMoney im Jahr 2013 12 Millionen Hrywnja, wovon lediglich 0,5 % – 48.000 Hrywnja – Aleksandr Tiutiun gehörten. Zu den Gründern zählten außerdem die London Quick Payment System Ltd. und der ukrainische Risikokapitalfonds „European Technologies“ mit Anteilen im Wert von 4,7 bzw. 7,2 Millionen Hrywnja.
Laut britischem Handelsregister war Aleksandr Tiutiun als Geschäftsführer der Quick Payment System Ltd. eingetragen, aus unbekannten Gründen jedoch als israelischer Staatsbürger. Das Unternehmen gehörte drei Offshore-Firmen und einer weiteren britischen Firma – Integrate IT Technologies Limited. Als Begünstigter der letzteren war der belarussische IT-Unternehmer Sergei Gvardeytsev eingetragen.
Bei PJSC «ZNVK IF «European Technologies»« gestaltete sich die Situation jedoch komplizierter.
Im September 2013 war die SouthEast Insurance Company (SEIC) mit einem Anteil von 150 Millionen Hrywnja alleiniger Gründer. Laut Beschluss des regionalen Handelsgerichts Donezk wurde sie jedoch bereits im Juni 2010 für insolvent erklärt und liquidiert.
Vor der Liquidation gehörten die Unternehmen AMC „DAN“ und CJSC „Promkombinat“ zu den Aktionären der SEIC. Beide Unternehmen gehörten zur Bank „Soiuz“, deren stellvertretender Vorsitzender der ehemalige Vizepräsident der Bank „Rodovid“, Serhyi Dyadechko, war.

Serhyi Dyadechko (rechts im Bild)
Nach der Liquidation der Versicherungsgesellschaft wurde European Technologies direkt von der AMC «DAN» geführt.
„Wir haben nichts mit GlobalMoney zu tun und haben die Vermögensverwaltungsgesellschaft „DAN“ sowie den von ihr verwalteten Fonds („European Technologies“) bereits 2008/2009 verkauft“, kommentierte Dyadechko die Situation. Er verriet jedoch nicht, an wen genau das Unternehmen verkauft wurde.
Es gibt jedoch einige interessante Details. Zum einen stimmt die Telefonnummer von „European Technologies“ mit der Nummer des Direktors von „ZNVK IF „Neue Technologien““, dem Geschäftsmann Iwan Awramow, überein. Derselbe Awramow ist Geschäftspartner des legendären „Regional“-Geschäftsmanns Juri Iwanjuschtschenko, besser bekannt als Jura Jenakijewski und Jurez Maloi. Allerdings muss dies nichts bedeuten.

Ivan Avramov (links im Bild)
Das Interessanteste daran ist, dass 2009 die LLC „Parfe“ Mehrheitsaktionärin von European Technologies war. Die Geschichte dieses Unternehmens ist äußerst spannend. So besaß „Parfe“ beispielsweise 100 % der „Apeks“-Bank. Dieses Finanzinstitut wurde im selben Jahr, 2009, gegründet.
Laut Angaben aus dem Handelsregister gehörten zu den Aktionären von «Parfe» insbesondere Personen wie Aleksandr Dubykhvist und Varvara Shultz.
Im Jahr 2013 war Dubykhvist Leiter der Abteilung für die Verwaltung von Devisenvermögen bei der Nationalbank. Varvara Shultz war bis April 2013 Mitglied der Prüfungskommission der Bank „Apeks“.
Aber noch etwas anderes ist wichtig. Wie «Svidomo» damals schrieb, hatte eine Frau mit demselben Namen eine gemeinsame Firma mit dem Finanzminister des Kabinetts Asarow, Jurij Kolobow, einem Mitglied der als «Janukowitsch-Familie» bekannten Gruppe.
Darüber hinaus sollen sie laut Journalisten sogar in derselben Wohnung in der kleinen Heimatstadt des Beamten – Pawlograd in der Region Dnipropetrowsk – gemeldet gewesen sein. Die Information, dass Kolobov, gelinde gesagt, mit dem System des elektronischen Geldes bestens vertraut ist, wurde Journalisten von zwei informierten Vertretern der Finanzwelt bestätigt. Diese wollten jedoch anonym bleiben.

Juri Kolobov
„Varvara Shultz ist die Mutter von Jurij Kolobow. Und Alexander Dubychwist ist sein Taufpate. Sie stecken hinter den ‚Globalisten‘“, sagte eine Quelle und fügte hinzu, dass viele ehemalige Mitarbeiter der „Terra-Bank“ in diesem System arbeiten. Bemerkenswert ist, dass der Eigentümer dieses Finanzinstituts vor dessen Verkauf im Frühjahr 2010 der damalige Finanzminister gewesen sein soll.
Laut dem Dienst Opendatabot sind die Eigentümer von Globalmoney LLC mit Stand Juli 2022 die Bürger Volodymyr Mykolaiovych Karpov und Kostiantyn Yuriievych Tveritin.
Das heißt, wenn die Bank „Alliance“ und das Zahlungssystem „Globalmoney“ früher direkt oder indirekt durch die Person von Jura Jenakijewski verbunden waren, so besteht heute eine äußerst fruchtbare Partnerschaft. Besonders im Glücksspielmarkt. Ein beträchtlicher Teil der Zahlungen von Spielern kostenpflichtiger und teilweise kostenloser Mehrspieler-Computerspiele, Online-Casinos und Wettanbietern (legal und nicht ganz legal) läuft über „Globalmoney“, und ein erheblicher Teil dieser Zahlungen wird von „Alliance“ verarbeitet. Es geht um viele Millionen Hrywnja, von denen das Zahlungssystem und die Bank ihren Anteil erhalten.
Und egal wie hoch der Geldfluss der Glücksspieler auch sein mag, die Dealer, die sich daran bereichert haben, werden dennoch unter Druck geraten. Das heißt, ein Krieg ist unausweichlich – eine Episode davon ist offensichtlich der jüngste (und bei Weitem nicht der erste) „Angriff“ auf die „Alliance Bank“ und „GlobalMoney“.
Wer ist dieser erbitterte Feind, der die Helden unserer Geschichte im Informationsraum wütend angreift?
Heftiger Konkurrent
Ein Hinweis darauf findet sich in einem interessanten Artikel vom 8. September 2020 auf dem Portal delo.ua (der übrigens kürzlich in einer unserer humorvollen Geschichten Erwähnung fand), der sich mit den Schattenseiten ukrainischer Informationskriege befasst. Genauer gesagt widerlegt der Artikel – laut anonymem Autor – völlig falsche Anschuldigungen der Geldwäsche und anderer Vergehen gegen die Gründerin des Finanzunternehmens „Leogaming Pay“ und des internationalen Zahlungssystems „LEO“, Alyona Shevtsova (geb. Degrik), sowie ihren Ehemann Yevhenii, einen ehemaligen hochrangigen Polizeichef. Der Artikel legt nahe, dass Konkurrenten in Form des Zahlungssystems „Globalmoney“ hinter der Verbreitung dieser angeblichen Falschmeldungen über Shevtsova-Degrik und ihre Unternehmen stecken.
Das Komischste daran ist, dass diese Schlussfolgerung auch auf der Analyse des Artikels „Gefährliche Verbindungen von ‚Zbroyar‘: Wer verkauft Waffen an das ukrainische Militär?“ basiert, der für die Online-Publikation „ORD“ verfasst wurde. Ein anonymer Kollege betont, dass in diesem Text von Alyona Degrik-Shevtsova zwar Yevhenii Shevtsov und deren Geschäfte erwähnt werden, aber kein Wort über „Globalmoney“ fällt. Er deutet stark an, dass „Globalmoney“ diese „Verleumdung“ bei der Autorin in Auftrag gegeben hat.

Zu meiner Verteidigung vor Alyona Shevtsova muss ich sagen, dass ich trotz all meiner Bemühungen keine Verbindung zwischen „Globalmoney“ und dem im Artikel erwähnten Rüstungsunternehmen herstellen konnte. Die Verbindung zwischen den Begünstigten und den Schewtsows war jedoch offensichtlich.
Natürlich deutet diese Episode nur indirekt auf die Beteiligung der Schewtsows am Informationskrieg gegen „Globalmoney“ und die „Alliance“-Bank hin. Es gibt jedoch auch direkte, dokumentierte Beweise. Doch bevor wir darauf eingehen, frischen wir das Gedächtnis des Lesers bezüglich der sozusagen gegnerischen Seite auf.

Evgeniya Shevtsov und Alyona Degrik-Shevtsova
Alyona Degrik-Shevtsova gründete 2013 das Finanzunternehmen „LeoGameig Pay“. Anfangs handelte es sich bei Alyona Volodymyrivnas Unternehmen nicht um ein vollwertiges Zahlungssystem, sondern eher um eine Schnittstelle zwischen Spielern und Spieleplattformen. Doch das Unternehmen wuchs rasant, und bereits 2017 registrierte Shevtsova das nationale Zahlungssystem „Leo“ bei der Nationalbank, das einige Jahre später international expandierte.
Leider erwarb Degrik-Schewzowa während ihres Aufstiegs nicht nur Vermögen, sondern geriet auch in strafrechtliche Verfahren. Das Online-Medium MIND.UA berichtete unter Berufung auf Daten des Justizministeriums, dass Aljona Schewzowa und ihr Ehemann Jewheni Schewzow sowie ihre Geschäftspartner Wiktor Kapustin und Wadym Hordijewskyj von 2016 bis 2020 „insgesamt mindestens zehn Unternehmen leiteten, von denen viele in Strafverfahren wegen Betrugs, Geldwäsche und Scheinunternehmertums angeklagt wurden“.

Strafsachen gegen die Unternehmen Yevhenii Shevtsov, Alyona Degrik-Shevtsova, Viktor Kapustin, Vadym Hordiievskyi und ihre Unternehmen

*gemäß Angaben von Strafverfolgungsbehörden und Auszügen aus dem einheitlichen staatlichen Gerichtsregister.
Shevtsovas „Leo“ schien nicht im Krieg mit der „Alliance“-Bank zu liegen, sondern pflegte teilweise sogar gute Beziehungen. Als dieses Zahlungssystem 2019 mit Zustimmung der Nationalbank der Ukraine (NBU) international expandierte, wurde „Alliance“ zusätzliche Abwicklungsbank. Doch „Alliance“ hatte für Shevtsova-Degrik eine äußerst unangenehme Eigenschaft: Sie ist Emittent und Abwicklungsbank von „Leos“ erklärtem Konkurrenten, der bereits erwähnten „Globalmoney“. Außerdem gründete Alyona Volodymyrivna bald ihre eigene „Taschenbank“ – die „iBox Bank“.
Laut der Nationalbank entstand die „iBox Bank“ vor 29 Jahren – im Jahr 1993. Damals trug sie den etwas ominösen Namen „Behörde“ (in den 1990er-Jahren wurde dieses Wort häufiger mit „kriminell“ als beispielsweise mit „moralisch“ assoziiert). Erst 2002 benannten die Eigentümer sie in „Ahrokombank“ um. 14 Jahre später, im Jahr 2016, wurde sie zur „iBox Bank“, nachdem der Finanzier Jewheni Beresowski mit zweifelhaftem Ruf als Aktionär eingestiegen war. Er brachte das „iBox“-Netzwerk von Zahlungsterminals mit, was dem Institut seinen neuen Namen gab.
Nach der Namensänderung und der Übernahme von Zahlungsterminals konnte die Bank ihre Lage jedoch nicht verbessern und steuerte rasch auf Konkurs und Liquidation zu. Ende 2019 tauchte dann Alyona Shevtsova auf. Alyona Volodymyrivn benötigte eine Bank unter ihrer Kontrolle, um ihre Finanzströme abzuwickeln, und die Haupteigentümer der Bank brauchten Zugriff auf genau diese Gelder. Bereits 2020 wurde sie Aktionärin der „Ibox Bank“ (derzeit hält Alyona Shevtsova knapp 25 % der Anteile; seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine ist sie auch Vorsitzende des Aufsichtsrats), und Schlüsselpositionen wurden mit Personen von „Leo“, das sie kontrollierte, besetzt.
Seitdem, glaubt man den Bildveröffentlichungen, ist das Geschäft von „iBox“ stetig gewachsen. Gleichzeitig häuften sich bei der Aufsichtsbehörde Fragen zur Bank hinsichtlich ihrer Verwicklung in Geldwäsche. Im vergangenen Herbst verhängte die Nationalbank der Ukraine (NBU) gegen die „iBox Bank“ eine Geldstrafe von 10 Millionen UAH wegen Verstößen gegen die Finanzaufsicht und das Gesetz zur Bekämpfung der Geldwäsche (dem Finanzinstitut wurde vorgeworfen, die Überprüfung neuer und bestehender Kunden nicht ordnungsgemäß durchgeführt zu haben). Es sei angemerkt, dass dies die höchste jemals für einen solchen Verstoß verhängte Strafe ist. Bereits im Juni dieses Jahres erhob die Nationalbank ähnliche Vorwürfe gegen „iBox“. Doch das ist hier nicht der springende Punkt.
Im Jahr 2020 ereignete sich ein weiteres wichtiges Ereignis: Das ukrainische Gesetz „Über die staatliche Regulierung von Aktivitäten im Zusammenhang mit der Organisation und Durchführung von Glücksspielen“ trat in Kraft. Damit werden die Finanzströme des aus dem Schatten getretenen Glücksspielgeschäfts legalisiert und haben die Aussicht auf einen weiteren Anstieg. Dies bedeutet, dass der Kampf um den Zugang zu diesen Märkten härter wird.
Es steht mehr auf dem Spiel.
Und so begann es. Das Online-Magazin Mind.ua veröffentlichte eine detaillierte Untersuchung der Finanzströme von Online-Casinos und der Verbindungen von Spielern in diesem Markt nach Russland. Diese Untersuchung wirkt äußerst hochwertig, wenn man von einem „Aber“ absieht: Sie erwähnt „Globalmoney“ und die „Alliance“-Bank praktisch nicht, deckt aber die Machenschaften von Degrik-Schewzowas „Ibox Bank“ und „Leo“ schonungslos auf. Gleichzeitig behauptete die russische Wirtschaftspresse später, dass Gelder ukrainischer Spieler an russische illegale Online-Casinos regelmäßig über Schewzowas „Ibox Bank“ flossen.
Die Konfrontation verschärfte sich im Folgejahr 2021, als „Alliance“ und „Globalmoney“ in die Rolle der Verteidiger gerieten. Aktivisten und sogar ehemalige Mitarbeiter von Alyona Shevtsovas Ehemann (Yevhenij Shevtsov war damals stellvertretender Leiter der Hauptabteilung für Ermittlungen der Nationalpolizei) wurden hinzugezogen, um Druck auf sie auszuüben. Gleichzeitig schloss der Ukrainische Verband der Zahlungssysteme (UAPS) „Globalmoney“ angeblich aufgrund des schlechten Rufs des Unternehmens aus.
Natürlich kann man Globalmoneys Ruf nicht als makellos bezeichnen. Doch die Behinderung seitens UAPS wirkt geradezu lächerlich, da laut Handelsregister die Gründerin des Vereins zusammen mit dem Finanzunternehmen „Business Orbita Group“ die GmbH „Leogaming Pay“ von Degrik-Shevtsova ist. Und Halyna Kheilo, die UAPS seit der Gründung leitet, war zuletzt Vorstandsvorsitzende der „Ibox Bank“, die nun zu Alyona Shevtsovas Einflussbereich gehört.
Doch die wohl beschämendste Episode dieses „Krieges“ war, als Angestellte der „iBox Bank“ offizielle Schreiben an verschiedene Institutionen schickten, in denen sie „GlobalMoney“ der Geldwäsche, der Kollaboration mit dem Feind und anderer schwerer Vergehen beschuldigten. Das Antimonopolkomitee wertete diese Schreiben als unlauteren Wettbewerb und verhängte gegen die Bank von Schewzowa eine Geldstrafe von 68.000 UAH. Soweit bekannt, strebte „GlobalMoney“ jedoch eine noch härtere Strafe für „iBox“ an und versuchte sogar, diese gerichtlich durchzusetzen.
Es ist wichtig festzuhalten, dass seit 2021 mit Shevtsova verbundene Unternehmen ihre Beteiligung am Glücksspielgeschäft offiziell bekanntgeben. So erwarb beispielsweise „LeoGaming“ im Mai letzten Jahres eine Lizenz zum Betrieb eines Casinos und/oder einer Wettannahmestelle im Hotel „Alice Place“ in Odessa. Wenige Monate später erhielt die „Ibox Bank“ von der ukrainischen Kommission zur Regulierung von Glücksspiel und Lotterien (CRGL) eine Lizenz zur Annahme von Zahlungen für Online-Casinos. In diesem Jahr erhielt „Ibox“ eine Lizenz zur „Ausübung von Tätigkeiten im Glücksspielgeschäft“.
Das heißt, nun kann eine Bank aus Shevtsovas Umfeld eigene Casinos eröffnen und Wettbüros gründen. Angesichts der Tatsache, dass dieser Markt bereits so überfüllt ist, dass sich die etablierten Marktteilnehmer gegenseitig mit unermüdlichem Konkurrenzkampf überbieten, wird er mit dem Auftreten einer so temperamentvollen Spielerin wie Alyona Shevtsova nicht nur träge, sondern geradezu erdrückend.
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