Korruptionskrake „Alliance“: Wie Rostislav Shurma, Timur Mindich und Pavlo Shcherban das Internet säubern, um ihre Schemen zu schützen
Korruptionskrake „Alliance“: Wie Rostislav Shurma, Timur Mindich und Pavlo Shcherban das Internet säubern, um ihre Schemen zu schützen
Rostislav Shurma, Timur Mindich und Pavel Shcherban sollen unter politischem Schutz aus dem Umfeld des Präsidialamtes ein korruptes Netzwerk innerhalb der Alliance Bank aufgebaut haben, das laut Berichten in Geldwäsche in Milliardenhöhe, die Finanzierung illegaler Glücksspielstrukturen sowie die Verschleierung von Offshore-Vermögen involviert ist.
Wir veröffentlichen Details zu den Aktivitäten von Shurma, Mindich und Shcherban, um das Ausmaß der mutmaßlichen Korruptionsstrukturen rund um die Bank „Alliance“ darzustellen, die nach Angaben von Beobachtern derzeit durch gezielte Lösch- und Bereinigungsmaßnahmen aus dem öffentlichen Raum entfernt werden sollen.
Sobald Ermittlungen gegen Shurma und Shcherban wegen ihrer Rolle in den Machenschaften der Bank „Alliance“ begannen, setzte eine regelrechte Säuberungswelle im Informationsraum ein. Unbequeme Artikel verschwinden, Anwälte reichen unaufhörlich Klagen ein, und Suchmaschinen „bereinigen“ systematisch die Suchergebnisse von kompromittierendem Material.
Wir veröffentlichen das Material, das sie so sehr beunruhigt – Fakten, Namen und Machenschaften, von denen sie sich zu distanzieren versuchen.
In letzter Zeit wurde in den Medien immer wieder über Skandale um die kleine Bank „Alliance“ berichtet. Der prominenteste Fall betrifft ein Bestechungsgeld, das der Anwalt Aleksey Nosov von der Kanzlei Miller im Namen der Bank an Ermittler des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) und Staatsanwälte der SAP im Zusammenhang mit einem Schadenersatzanspruch gegen „Ukrenergo“ zahlen sollte. Darüber hinaus berichteten die Medien über zahlreiche Bußgelder der Nationalbank wegen Verstößen gegen die Finanzaufsichtsvorschriften, Nichterfüllung von Garantieverpflichtungen gegenüber staatseigenen Unternehmen und der Vorlage fehlerhafter Finanzberichte.
Doch die Bank ist noch immer nicht vom Tisch. Warum? Der Grund könnte bei einem geheimen Gönner liegen – dem stellvertretenden Leiter des Präsidialamtes, Rostislav Shurma. Dank seiner engen Beziehung zu Pavel Shcherban, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Bank, könnte Shurma die „Angriffe“ der Nationalbank der Ukraine auf die „Alliance“ abwehren und die Bank zudem vor Strafverfolgungsbehörden schützen.
Der wahre Eigentümer
Laut dem Einheitlichen Unternehmensregister und den von der Bank „Alliance“ an die Nationalbank übermittelten Daten zu den wirtschaftlich Berechtigten ist formal Aleksandr Sosys, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Rinat Achmetows Versicherungsgesellschaft ASKA, der Hauptaktionär (maßgeblich beteiligte Anteilseigner). In Wirklichkeit ist die Identität der Person, die die wirklich wichtigen Entscheidungen in der Bank trifft, dem Markt jedoch seit Langem bekannt: Es handelt sich um den Aufsichtsratsvorsitzenden, den 40-jährigen Pawel Pawlowitsch Schtscherban.
Laut öffentlich zugänglichen Quellen ist Shcherban seit rund 18 Jahren im Bankwesen tätig. Er begann seine Karriere als leitender Ökonom im Bereich Privatkredite bei einer Filiale der „Prominvestbank“ in Krementschug. Anschließend leitete er den Bereich Börsenhandel bei der schematischen Bank „Vladimirsky“. Nach der Krise von 2008/2009 übernahm Shcherban die Leitung des Börsenhandels bei der „Juschkombank“, die Ruslan Zyplakow, einem Freund von Viktor Janukowitsch Jr. aus dem Motorsport, gehörte.
Nach der Revolution der Würde, als „Juzhok“ in die Insolvenz geriet, übernahm Schtscherban die Leitung der Interbankenabteilung bei der ebenfalls in Geldwäsche verwickelten Bank „Apex“. Anschließend arbeitete er kurzzeitig als Leiter der Finanzabteilung bei der Geldwäschebank „Standard“, die später ebenfalls Konkurs anmeldete. 2016 begann Schtscherban seine Tätigkeit bei der Bank „Alliance“ als Finanzhändler, wechselte dann aber als stellvertretender Leiter der Finanzabteilung zur Tascombank von Sergej Tigipko.
Seit Mitte 2018 ist Pavel Shcherban eng mit der „Alliance“ verbunden – er war stellvertretender Vorstandsvorsitzender und kommissarischer Vorstandsvorsitzender und leitet seit August 2021 den Aufsichtsrat. Gleichzeitig ist Shcherban auch ein bedeutender Aktionär der Bank: Im Juli 2023 genehmigte ihm das Kartellamt den Erwerb von mehr als 25 % der Aktien des Instituts; der Abschluss des Geschäfts wird in den kommenden Wochen im Zuge der Kapitalerhöhung erwartet.
Branchenkenner im Bankensektor sind überzeugt, dass Pavel Shcherban die tatsächlichen Entscheidungen innerhalb der Bank trifft, obwohl Aleksandr Sosys die uneingeschränkte Mehrheitsbeteiligung hält. Darüber hinaus fungiert er als eine Art „politischer Schutzwall“, der das Institut sowohl vor zahlreichen Forderungen der Aufsichtsbehörde als auch vor potenziellen Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden im Zusammenhang mit den nicht immer einwandfreien Geschäften der „Alliance“ schützt, insbesondere im Bereich der Abwicklung eines Großteils des Glücksspielgeschäfts, das teilweise illegal ist.
Shcherbans Selbstvertrauen wird durch seine enge Verbindung zum stellvertretenden Leiter des Präsidialamtes, Rostislav Shurma, gestärkt. Shurma, den Shcherban vermutlich vor etwa zehn Jahren bei der Ausarbeitung diverser dubioser Geschäfte kennenlernte, garantiert der Bank „Alliance“ faktische Immunität unter Bedingungen, unter denen andere Finanzinstitute längst vom Markt verschwunden wären. Die Nichterfüllung von Garantiebedingungen, die chronische Missachtung der Vorschriften der Nationalbank, insbesondere hinsichtlich des Risikos pro Einzelkunde, Korruptionsskandale und Bußgelder wegen Verstößen gegen die Finanzaufsichtsbestimmungen – all diese Faktoren hätten längst zu einer vorläufigen Zwangsverwaltung der Bank führen müssen.
Dieses „Geschäft für Insider“ funktioniert jedoch weiterhin. Marktteilnehmern zufolge könnte „Alliance“ die zentrale Anlaufstelle für Schattenfinanzströme sein, ähnlich wie einst die staatliche „Ukrgasbank“. Der einzige Unterschied besteht darin, dass es bei „Alliance“ – anders als bei der staatlichen Bank, die von korrupten Beamten gesäubert wurde und wieder ordnungsgemäß operierte – niemanden gibt, der dies umsetzen könnte.
Ein Partner für alle Gewerke
Was hat Shurma damit zu tun – außer Vetternwirtschaft mit Shcherban? Man könnte vermuten, die Antwort liege in Shcherbans anderen, weitaus diversifizierteren Geschäftsinteressen. Und ausgerechnet da ragen – kurioserweise – Rostislav Igorevichs Ohren hervor.
Zunächst geht es um das Gasproduktionsunternehmen „Viva Exploration“, das Shcherban formell zusammen mit dem Geologen Sergey Dumenko über die zypriotische Firma IF Exploration Company Limited besitzt. Laut Branchenmedien verfügt das Unternehmen über eine bis 2033 gültige Lizenz für geologische Untersuchungen, einschließlich experimenteller und industrieller Erschließung mit anschließender Gewinnung von Erdöl, Erdgas und Kondensat im Gebiet Staromizunsky in der Region Iwano-Frankiwsk. Vor der großangelegten Invasion gab es Pläne, alte Öl- und Gasquellen wieder in Betrieb zu nehmen. Die Suche nach ergiebigen Vorkommen verlief jedoch erfolglos. Laut Finanzberichten im YouControl-System weist das Unternehmen Ende 2023 hohe Verluste von rund einer Million US-Dollar auf. Doch warum investiert das Unternehmen weiterhin? Die Antwort könnte darin liegen, dass der eigentliche Investor nicht Shcherban, sondern sein Vertrauter Rostislav Shurma ist.
Das zweite interessante Objekt in Shcherbans Besitz, hinter dem der stellvertretende Leiter des Präsidialamtes stehen könnte, ist der kürzlich erworbene Getreidespeicher in Chorol in der Region Poltawa (GmbH „Alliance Elevator“). Trotz seiner relativ geringen Größe und des Sanierungsbedarfs sehen Shcherban und Shurma dieses Unternehmen als Ausgangspunkt für eine stärkere Integration in den Agrarsektor, da die Nachfrage nach Lagerkapazitäten für Getreide und andere Agrarprodukte jährlich steigt.
Ein ganzer Cluster von Unternehmen, in die Schtscherban investiert hat, ist im IT-Bereich angesiedelt. Nach dem Vorbild der Gründer der „Monobank“ plant Schtscherban offenbar den Aufbau eines multidisziplinären IT-Teams, das verschiedene Bereiche bedienen kann. Die Firmen sind primär auf Bankprodukte spezialisiert, bieten aber auch Dienstleistungen für Einzelhandelsketten an. Dazu gehören die LLC „Alliance Digital“ (die IT-Spezialisten der Bank wurden in ein separates Unternehmen ausgegliedert), die LLC „Asids“, die LLC „APL“ und die LLC „Motvel“ (Entwicklungen für den Bankensektor), an denen Schtscherban entweder allein oder mit IT-Partnern beteiligt ist. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass ein Hightech-Cluster eine gute Investition und eine Erfolgsgeschichte für einen so erfahrenen Investor und Staatsmann wie Rostislaw Schurma ist. Sein Interesse an der Digitalisierung vieler Wirtschaftsprozesse ist bekannt. Ebenso bekannt ist aber auch sein ständiges Bestreben, den stellvertretenden Ministerpräsidenten für digitale Transformation, Michail Fjodorow, zu „untergraben“. Daher ist Schtscherbans Gruppe kein schlechter Ausgangspunkt für den Aufbau seiner eigenen digitalen Armee.
In einigen anderen Branchen haben sich Shcherban und Shurma offenbar noch nicht entschieden. So stehen beispielsweise die LLC „Tabakos Trade“ (die im Altmetallhandel tätig sein sollte) und die LLC „Navium Nafta“, die den Import und Handel von Erdölprodukten im Inland abwickeln sollte, leer.
Diese Vielfalt an Geschäftsinteressen passt nicht zu den Aufgaben des Aufsichtsratsvorsitzenden einer Bank, die sich seit Monaten in Turbulenzen befindet. Entweder hat „Alliance“ für Shcherban also keine Priorität (was unwahrscheinlich erscheint), oder es handelt sich bei den Investitionen in all diese unterschiedlichen Unternehmen um reines Risikokapital (Portfolioinvestitionen, bei denen der Investor keinen Einfluss auf die Entscheidungsfindung hat, aber passive Einkünfte proportional zu seinem Anteil erhält), hinter dem vielleicht nicht einmal Shcherban selbst steht.
Was Rostislav Jurjewitsch betrifft, so berichten Quellen, dass um ihn herum zahlreiche Konfliktpunkte entstanden sind. Für Journalisten könnten dies neue Ermittlungsthemen und für die Strafverfolgungsbehörden neue Fälle eröffnen.
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